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Geschichte des Weilheimer Chorkreises (1844) e.V.

Von der Gründung – 1844 bis 1945

Anfang des 19. Jahrhunderts bestand in Weilheim bereits ein so genanntes Musikkollegium, das seine „Produktionen“ in den Wintermonaten abhielt. Auf Initiative von Benedikt Steigenberger, der auch Vorsitzender des Theatervereins war, wurde 1844 auf einer Generalversammlung, zu der alle Musiker Weilheims eingeladen waren, der „Weilheimer Liederkranz“ gegründet. Ab 1875 prägte Max Kormann vom Münchner Orchesterverein „Gungl“ die Geschichte des Liederkranzes. Unter seinem Einfluss schlossen sich 1881 der Liederkranz und der Weilheimer Orchesterverein zum Liederkranz-Orchesterverein (LOV) zusammen. 1908 wurde zum Männerchor auch ein Frauenchor ins Leben gerufen. Max Kormann starb 1917 nach einem schaffensreichen Leben. Zur Erinnerung wurde eine Gasse in der Nähe des Theaters nach ihm benannt.
Der LOV entwickelte sich zu einer bedeutenden Institution des gesellschaftlichen Lebens in Weilheim. Alljährlich standen Konzerte, Theateraufführungen, Singspiele und Operetten auf dem Programm.

Einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte stellt die Erneuerung des Weilheimer Stadttheaters in den Jahren 1923 bis 1926 dar, welche vom LOV in eigener Verantwortung  und mit Unterstützung der Stadt Weilheim durchgeführt und finanziert worden war. Im September 1926 übergab Hans Wiedemann, 1. Vorsitzender des LOV, den Bau in einer Feierstunde an die Stadt Weilheim. Nun war es möglich, die Konzert- und Theatertradition in eigenen Räumen der Stadt weiter zu entwickeln.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 konnte der LOV nur unter großen Schwierigkeiten seine Tätigkeit fortführen. Er stellte sich, wie seit der Gründung, in den Dienst der Wohlfahrt. So wurden  Benefiz-Konzerte und -Theateraufführungen für das "Winterhilfswerk" durchgeführt und Feldpostpäckchen verschickt.

Kriegsbedingt konnte das 100-jährige Bestehen im Jahr 1944 nicht mehr gefeiert werden. Der Verein stellte seine Tätigkeit ein.

Bereits im Oktober 1945 erhielt der LOV von der amerikanischen Militärregierung als erster Verein im Landkreis die Genehmigung, seine Probenarbeit wieder aufzunehmen. Chor und Orchester traten am 24. November 1945 mit einem Konzert im Stadttheater zugunsten der Caritas an die Öffentlichkeit.

Die jüngere Geschichte – 1945 bis heute

Die Jahre nach der Beendigung des 2. Weltkrieges waren geprägt von dem Bemühen, alte Traditionen wieder aufzunehmen und sich gleichzeitig den Herausforderungen des gesellschaftlichen Strukturwandels zu stellen. Josef Port, seit 1935 Dirigent des LOV, übergab die Chorleitung 1948 an Anton Maier, ebenfalls Organist und Chorregent an der Stadtpfarrkirche. Eine bedeutende Auszeichnung erfuhr der Chor im Jahre 1957, als ihm die Zelterplakette, die höchste Auszeichnung des Bundespräsidenten für Laienchöre, zuerkannt wurde.

1967 übernahm Wieland Schmid, Musiklehrer am Weilheimer Gymnasium, die musikalische Leitung des Chores. Unter seiner Regie wurde im selben Jahr erstmals in der Vereinsgeschichte ein geistliches Konzert in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt gegeben. Zum 125-jährigen Bestehen des LOV im Jahr 1969 wurde in Zusammenarbeit mit Christian Buck das Singspiel „Weilheimer Stückl“ mit großem Erfolg aufgeführt.

Eine Zäsur in der Vereinsgeschichte bildet das Jahr 1970: Die musikalische Leitung ging an Ulrike Groß über, die den Chor gut 30 Jahre lang bis 2001 mit großem Engagement und Erfolg führte. Ein Jahr später, 1971 wurde der Liederkranz-Orchesterverein(LOV) in „Weilheimer Chorkreis(1844)“ umbenannt. Das Orchester bestand schon lange nicht mehr, mit dem neuen Namen wollte man auch ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte aufschlagen. Der Schwerpunkt der musikalischen Arbeit lag nun auf A-Cappella-Musik. 1994 bekam der Chor anlässlich der 150 Jahr-Feier die „Orlando di Lasso“ -Medaille des Bayerischen Sängerbundes verliehen. Das Niveau seiner Arbeit, sein weitgefächertes Repertoire und seine unablässige Pflege der Chormusik wurden damit belohnt. In der zum 150-jährigen Jubiläum von Monika und Ludwig Reitzer zusammengestellten Festschrift wird die Geschichte des Chores detailliert dargestellt.

Von September 2001 bis April 2004 leitete Andrea Günthör–Schumann den Chor, von April 2004 bis Juli 2011 Jan Prochazka. Seit Juli 2011 wird der Chor von Elisabeth Reitzer geleitet

Eine Zusammenstellung der in den letzten 15 Jahren aufgeführten Hauptwerke finden Sie auf der Seite Aufführungen.